Reinheitsgebot

Das bayerische Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516 ist die älteste lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt und besagt, dass beim Bierbrauen nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden darf.

Herzog Wilhelm IV.

Herzog Wilhelm IV.

Die Brauverfassung von 1372 erlaubte es zwar jedermann in Bayern, eine Braugerechtigkeit käuflich zu erwerben, aber die Qualität der Biere aus manchen Bierkellern ließ schwer zu wünschen übrig. Die Kühlmaschine war noch nicht erfunden und die Haltbarkeit der Biere war damals das größte Problem der Brauereien. So setzten die Brauer alle erdenklichen Stoffe und Kräuter ein, um die Haltbarkeit der Biere zu erhöhen. Zuweilen waren auch giftige Kräuter wie Tollkirsche oder Bilsenkraut darunter, ganz im Sinne “Was wirkt, ist gut”. War das Bier bereits sauer, wurden Kräuter wie Wacholder, Laserkraut oder Lorbeer hinzugegeben, um den Geschmack zu verfeinern. So manche Brauer gaben auch Farn, Wermut, Mohn oder Branntwein hinzu, um den “Rausch” nach dem Biergenuß zu verstärken. Ochsengalle, Asche oder Pech wurden zur Konservierung eingesetzt. Alles in allem mussten man damals froh sein, wenn man nach einem Glas Bier nicht tot umkippte.

Um den willkürlichen Zugaben ins Bier Einhalt zu gebieten und eine gewisse Qualität zu gewährleisten, gab es bald regional begrenzte Regelungen. Die erste Vorlage für das heutige Reinheitsgebot stammte aus der Stadt Landshut aus dem Jahre 1486, in der sehr detaillierte Regelungen zum Brauvorgang und den Zutaten enthalten waren. Nur ein Jahr später erließ Herzog Albrecht IV. der Weise am 30.11.1487 in München eine Vorschrift, die später als Münchner Reinheitsgebot die Basis für das berühmte Bayerische Reinheitsgebot bildete. Hierin wurde im Sinne eines Reinheitsgebots bestimmt, dass Bier “aus nichts anderm denn Hopfen, Gersten und Wasser gesotten” werden durfte. Ein Bierausschank war nur nach einer Bierprüfung durch ein Gremium gestattet, bestehend aus einem Stadtrat, zwei gemeinen Bürgern sowie zwei Bauern. Dieses Münchner Reinheitsgebot wurde wenige Jahre später durch Herzog Georg dem Reichen auch auf das Herzogtum Niederbayern einschließlich aller Städte, Märkte, Klöster und Schlösser ausgedehnt.

Briefmarke "450 Jahre Reinheitsgebot"

Briefmarke "450 Jahre Reinheitsgebot"

Es dauerte jedoch bis 23. April 1516, dass der bayerische Herzog Wilhelm IV. mittels Erlass einerseits die Preise, andererseits die Inhaltsstoffe der Biere offiziell für ganz Bayern regelte und so das “Bayerische Reinheitsgebot” in die Welt setzte, das Grundlage für das heutige Deutsche Reinheitsgebot bildete.

“Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, daß forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli bis Georgi ein Maß (bayerische = 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten = nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (Heller = gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen-, sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen.

Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.

Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Faß Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. Wo jedoch ein Gauwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (= enthält 60 Maß) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemandem erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken.”

Auf ganz Deutschland wurde das Bayerische Reinheitsgebot erst im Jahre 1919 ausgedehnt, nachdem Bayern seinen Beitritt zur Weimarer Republik von der Fortgeltung des Bayerischen Reinheitsgebots abhängig machte.

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3 Kommentare auf "Reinheitsgebot"

  1. [...] Bier in Bayern überhaupt als Spezialität anerkannt wird, muss es zunächst den Anforderungen des Bayerischen Reinheitsgebot genügen und zudem einer sortenbezogenen, bei der EU hinterlegten Spezifikation entsprechen. Auch [...]

  2. […] Brauerbund, der auf der Informationsinsel Deutsches Bier sicher wieder das Fähnchen “Deutsches Reinheitsgebot” fleißig hin- und herwedelt, wohl wissend, dass es mittlerweile wieder mehr aus […]

  3. […] kam zwar schon Ende des 15. Jahrhundert aus Böhmen nach Bayern, konnte sich jedoch wegen des Bayerischen Reinheitsgebots von 1516 nicht verbreiten. Nur die niederbayerischen Adelsfamilien Degenberger und Schwarzenberger hatten […]

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