Klosterbrauereien in Bayern
27. Februar 2011 | Von admin | Kategorie: Brauereien, Spezialitäten
Obwohl die Klöster in Bayern seit mehr als 1.000 Jahren großen Einfluss auf die Entwicklung der Braukunst hatten, gibt es heute nur noch ganz wenige aktive Klosterbrauereien.
Die älteste Brauerei der Welt in Weihenstephan ist ebenfalls aus einer Klosterbrauerei entstanden, gehört aber heute dem Freistaat Bayern. Da die Mönche in den Klosterbrauereien ihr Bier in erster Linie für den Eigenbedarf brauten, legten sie von Anfang an großen Wert auf natürliche Zutaten und möglichst perfekten Geschmack. Es ist daher keine Überraschung, dass einige Biere aus den bayerischen Klosterbrauereien zu den besten Bieren der Welt zählen. In den Klöstern war Bier viel mehr als ein Durstlöscher. Bier war für die Mönche eher ein nahrhaftes und gesundes Lebensmittel, vor allem während der Fastenzeit. Schon lange vor Erlaß des Reinheitsgebots setzten die Klosterbrauereien in Bayern auf Hopfen, um dem Bier sein typisches bitteres Aroma zu verleihen und es haltbarer zu machen. Von den einst unzähligen und teils sehr bekannten Klosterbrauereien sind heute nur noch acht aktiv, von denen sich die bekanntesten Klosterbrauereien in Weltenburg, Andechs und Ettal befinden. Die anderen Klosterbrauereien sind größtenteils Opfer der Sakukarisation in Bayern in den Jahren 1802 bzw. 1803 geworden. Es gibt jedoch noch einige Brauereien, die sich auch nach der Säkularisation der Tradition der Mönche verpflichtet fühlten und deren Bier nach den gleichen Rezepturen weiterbrauten, allen voran die Münchner Augustiner Brauerei.
Klosterbrauerei Andechs
Die Andechser Klosterbrauerei liegt zwischen Starnberger See und Ammersee im oberbayerischen Fünfseenland und ist sowohl in Bayern als auch international für seine hervorragenden Biere bekannt und besonders bei den Amerikanern sehr beliebt. In der Andechser Klosterbrauerei wird – urkundlich nachgewiesen – schon seit 1455 Bier gebraut und insbesondere die beiden Starkbiere Andechser Bergbock Hell und Andechser Doppelbock Dunkel gehören zu den beiden Flaggschiffen im Sortiment. Der jährliche Bierausstoß der Andechser Klosterbrauerei beträgt jährlich über 150.000 Hektoliter, von denen nur ein geringer Teil im eigenen Bräustüberl und Klostergasthof auf dem Heiligen Berg von Andechs ausgeschenkt werden. Die Andechser Klosterbrauerei ist sehr stark exportorientiert und verkauft seine Biere nahezu in alle Welt.
Auch das Kloster Andechs samit Brauerei wurde während der Sakularisation in Bayern privatisiert, jedoch 1846 von König Ludwig I. aufgekauft und dem Münchner Kloster St. Bonifaz als Wirtschaftsgut vermacht. Seitdem steht auch die Klosterbrauerei in Andechs wieder unter der Führung von Benediktiner Mönchen, die sich in den 1970er Jahren dazu entschieden, am Fuße des Heiligen Berges eine völlig neue Brauerei zu errichten. Danach folgten 1974 ein neues Füllereigebäude, 1984 das Sudhaus mit Gär- und Lagerkeller und 1990/91 die Flaschenfüllerei.
Das Sortiment der Andechser Klosterbrauerei enthält neben dem Andechser Bergbock Hell und dem Andechser Doppelbock Dunkel nur die klassischen bayerischen Biersorten Helles, Export und Weißbier. Insgesamt gibt es 6 Biere im Sortiment der Andechser Klosterbrauerei, darunter jeweils zwei Weißbiere, zwei Helle, zwei Starkbiere und ein Exportbier. Im einzelnen sieht das Sortiment der Andechser Klosterbrauerei so aus:
- hefetrübes Weißbier (5,5% vol.),
- Dunkles Weißbier (5,0% vol.),
- Andechser Helles (4,8% vol.)
- Spezial Hell (5,9 % vol.)
- Export Dunkel (4,9% vol.)
- Bergbock Hell (6,9% vol.)
- Doppelbock Dunkel (7,1% vol.)
Trotz (oder gerade wegen) dieser Begrenzung auf die klassischen bayerischen Biersorten ist es der Andechser Klosterbrauerei gelungen, entgegen dem rückläufigen Konsumtrend den Ausstoß von 100.000 hl. auf rund 150.000 hl. zu steigern. Die Biere aus der Andechser Klosterbrauerei sind solide Handwerkskunst ohne außergewöhnliche Ausreißer nach oben oder unten, wobei der Genuß eines Weißbieres im Biergarten des Klosterstüberls in Andechs ein wahrlich erhebendes Gefühl sein kann.
Klosterbrauerei Weltenburg
Das Kloster Weltenburg wurde im 7. Jahrhundert von den iroschottischen Mönchen Eustasius und Agilus aus Luxeuil am Ufer der Donau gegründet und später vom heiligen Bonifatius in ein Benediktinerkloster umgewandelt. Der Beginn der Brauerei im Kloster Weltenburg ist urkundlich nicht genau bekannt und deshalb streiten die Weihenstephaner Brauerei und die Weltenburger Klosterbrauerei nach wie vor um den Titel “Älteste Brauerei der Welt“. Während das Gründungsdatum der Weihenstephaner Staatsbrauerei exakt auf 1040 verifziert werden kann, gibt es zur Klosterbrauerei Weltenburg vor diesem Datum nur Hinweise auf eine bestehende Brauerei. Jedenfalls steht der Titel “älteste Klosterbrauerei der Welt” auf jeden Fall dem Weltenburger Kloster zu, da Weihenstephan schon lange ein Staatlicher Wirtschaftsbetrieb des Freistaats Bayern ist.
Auch das Brauwesen im Kloster Weltenburg wurde durch die Säkularisation in 1803 unterbrochen und erst 1846 wieder aufgenommen, nachdem die Brauerei wieder in klösterliches Eigentum fiel. Es ist jedoch erwähnenswert, dass nur die Biere mit der Bezeichnung “Weltenburger Kloster” in der historischen Klosterbrauerei am Ufer der Donau hergestellt werden, während die Biere mit der Bezeichnung “Weltenburger” in der Brauerei Bischofshof in Regensburg gebraut werden.
Das Sortiment der Weltenburger Klosterbrauerei enthält alle klassischen bayerischen Biersorten, die noch durch saisonale Spezialitäten ergänzt werden:
- Weltenburger Kloster Barock Dunkel (4,7% vol.)
- Weltenburger Kloster Asam Bock (6,9% vol.)
- Weltenburger Kloster Anno 1050 (5,5% vol.)
- Weltenburger Barock Hell
- Weltenburger Urtyp Hell (4,9% vol.)
- Weltenburger Hefe-Weißbier Hell (5,4% vol.)
- Weltenburger Hefe-Weißbier Dunkel (5,3% vol.)
- Weltenburger Hefe-Weißbier Alkoholfrei
- Weltenburger Pils (4,7% vol.)
- Weltenburger Kloster Winter-Traum (5,7% vol.)
Besonders hervorzuheben sind der Weltenburger Kloster Asam Bock – ein starker und sehr dunkler Doppelbock mit malzig-aromatisch süßem Duft und Geschmack – benannt nach dem berühmten Maler und Baumeister Cosmas Damian Asam und das Weltenburger Kloster Barock Dunkel, das 2004 und 2008 mit dem World Beer Award als bestes dunkles Bier der Welt ausgezeichnet wurde.
Ettaler Klosterbrauerei
Das Kloster Ettal zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau betreibt neben der klostereigenen Brauerei auch einige landwirtschaftliche Betrieben und Gasthöfe, einen Kunstverlag und eine ausgezeichnete Destillerie. Während die Gründung des Klosters Ettal schon am 28. April 1330 durch Kaiser Ludwig IV. dem Bayern erfolgte, wurde die Ettaler Klosterbrauerei erst 1609 von Oberammergau nach Ettal verlegt. Das offizielle Braurecht folgte am 11. April 1618, ausgestellt vom Fürsten Maximilian Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Ober- und Niederbayern.
Wie die anderen Klosterbrauereien in Bayern wurde auch auch das Kloster Ettal samt den dazugehörigen Betrieben Opfer der Säkularisation in Bayern, die erst verstaatlicht und anschließend an den Meistbietenden verkauft wurden. So gelangte die Ettaler Klosterbrauerei nach einigen Zwischenstationen 1899 an das Kloster Scheyern unter der Leitung von Abt Rupert III. Metzenleitner. Erst am 6. August 1900 übernahmen die Benediktiner Mönche des Kloster Ettals wieder die Leitung der Klosterbrauerei und machten aus dieser wieder einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor des Klosters und der gesamten Region rund um Garmisch-Partenkirchen und Ettal. Der Vertrieb der Ettaler Klosterbiere geht heute weit über Oberbayern hinaus bis nach Helsinki, Frankreich und Italien. 1907 erlangte das Kloster Ettal wieder seine volle Selbständigkeit als Abtei, so dass die Mönche des Benediktinerordens im Kloster Ettal wieder frei nach ihren Vorstellungen arbeiten und handeln konnten.
Das Sortiment der Ettaler Klosterbraurei ist recht klein und enthält nur 5 Biersorten:
- Ettaler Kloster Edel Hell (5,2% vol.)
- Ettaler Benediktiner Weißbier (5,0% vol.)
- Ettaler Kloster Dunkel (5,0% vol.)
- Curator Dunkler Doppelbock (7,0% vol.)
- Ettaler Pils
Seitdem die Klosterbrauerei in den 1990er Jahren grundlegend erneuert und technisch wieder auf den Stand der Zeit gebracht wurde, konnte auch der internationale Vertrieb der Klosterbiere aus Ettal neue Erfolge verbuchen. Es gibt jedoch kein echtes Zugpferd im Sortiment, das große internationale Erfolge vorweisen kann.
Klosterbrauerei Scheyern
Das Kloster Scheyern gehört ebenfalls dem Orden der Benediktiner an und befindet sich in Scheyern im Erzbistum von München und Freising. Das Kloster Scheyern ist in der ehemaligen Burg von Scheyern untergebracht, die dort schon 1119 mit der Bierproduktion begannen. Die Klosterbrauerei Scheyern ist damit eine der ältesten Brauereien Bayerns, jedoch unterbrochen durch eine Phase, als die Brauerei an einen Augsburger Unternehmer verpachtet wurde. Seit 2006 brauen die Benediktiner in Scheyern wieder ihr eigenes Klosterbier, das in erster Linie für den lokalen Bereich – also die Klosterschänke, örtliche Gaststätten und den eigenen Getränkemarkt- gebraut wird.
Klosterbrauerei Reutberg
Das Kloster Reutberg gehört dem Orden der Terziarinnen der Franziskaner-Reformaten und befindet sich in Sachsenkam in der Diözese von München und Freising. Die Gründung der Klosterbrauerei Reutberg erfolgte am 23. Oktober 1924 als Genossenschaft zwischen der seit 1677 bestehenden Klosterbrauerei der Franziskanerinnen und Bauern aus Sachsenkam und Reichersbeuern.
Klosterbraurei Kreuzberg
Das 1692 gegründete Kloster Kreuzberg gehört dem Orden der Franziskaner an und befindet sich in der Stadt Bischofsheim in Unterfranken in der Diözese Würzburg, genauer gesagt auf dem 928 m hohen Kreuzberg in der Rhön. Mit etwa 500.000 bis 600.000 Besuchern pro Jahr gehört das Kloster Kreuzberg zu den Hauptattraktionen und meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in der Rhön. Die Klosterbrauerei Kreuzberg wurde 1731 dem Kloster angegliedert und befindet sich bis heute im Besitz der Bayerischen Franziskaner. Der jährliche Ausstoß beträgt rund 8.500 hl und wird fast ausschließlich auf Fässer abgefüllt, von denen die meisten in die Klosterschänke ausgeschenkt werden. Ein kleiner Teil des Bieraustoß wird in 5- bis 50-Liter Fässern an Liebhaber verkauft.
Klosterbräuhaus Ursberg
Das Kloster Ursberg rechnet heute zur franziskanischen Sankt-Josef-Kongregation in Ursberg und befindet sich zwischen Thannhausen und Krumbach im Landkreis Günzburg in der Diözese Augsburg. Bereits 1623 erbaute das Kloster Ursberg eine eigene Braustelle, wo bis heute wird nach alten Rezepten traditionell mit Wasser aus dem eigenen Brunnen und Malz aus der eigenen Mälzerei Bier gebraut wird.
|
|
Tweet |
Weitere Artikel zu diesem Thema:







[...] in Bayern war es kein Geringerer als König Max, der 1817 das Kloster Tegernsee samt Klosterbrauerei aufkaufte. Verkäufer war Freiherr von Drechsel, der das Kloster nach dessen Privatisierung [...]
[...] und mit Abstand beliebteste Brauerei in München, hervorgegangen aus der ehemaligen Klosterbrauerei des Augustiner Ordens in München. Die Geschichte der Augustiner Brauerei in München [...]
[...] Kurfürst Karl Theodor 1798 das Weißbier-Monopol und gewährte auch dem Adel und den Klosterbrauereien gegen entsprechendes Entgelt das sog. Weißbierregal. Damals bestanden noch Weiße [...]
[...] Maximilian 1629 dem Paulanerkloster das Braurecht verliehen hatte, brauten diese sich in ihrer klostereigenen Brauerei ein nahrhaftes Bockbier, dessen Stammwürze gegenüber dem einfachen Bock aus dem [...]
[...] somit den Startschuss für die Entwicklung der Braukunst in Deutschland gab. Zumeist war es die Klosterbrauereien, die in einzelnen Regionen Deutschlands mit dem Bierbrauen begannen und die Braukunst [...]
[...] (urkundlich nachgewiesen seit 1455) Bier gebraut. Die Klosterbrauerei Andechs ist die einzige Klosterbrauerei in Deutschland, die das ganze Jahr zwei Bockbiere braut und weltweit verkauft. Beide Bockbiere aus der [...]
[...] Metten wieder errichtet. Besonders beliebt ist das wohlschmeckende Klosterbier aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt, insbesondere das Weltenburger Kloster Barock Dunkel und der süffige Asambock, der zu den [...]